Neue lokale Kooperationen und mehr Verantwortung für junge Menschen als Strategien gegen Einsamkeit?
3. Juni 2026
Wie erreichen wir einsame junge Menschen? Wie müssen unsere Strukturen aussehen, damit wir sie gut in unsere Angebote einbinden können?
Das sind die Fragen, auf die die Teilnehmenden des Workshops „Action for Democracy: Neue Strategien gegen Einsamkeit“ sich am 2. Juni 2026 in der Geschäftsstelle des Landesjugendrings NRW Antworten gesucht haben.
Eine fachliche Einordnung des Themas „Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen“ lieferte Claudia Laubstein, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. und Forscherin im Kompetenznetz Einsamkeit. In ihrem Fachvortrag schildert sie verschiedene Formen von Einsamkeit, die besondere Bedeutung von Einsamkeit im Jugendalter sowie bestimmte Risikofaktoren für Einsamkeit – darunter unter anderem Armutsbetroffenheit, Migrationshintergrund und das Erleben von schon wenigen Diskriminierungserfahrungen. Eine Kernerkenntnis für die Teilnehmenden war, dass Einsamkeit insbesondere im Jugendalter sehr schambehaftet ist, sodass es schwierig ist, sie anzusprechen.
Daraufhin hatten die Teilnehmenden in einer Austauschphase die Chance, ihre eigenen Erfahrungen und Herausforderungen mit Einsamkeit in ihren Verbandsstrukturen darzustellen und zu reflektieren. Die bedenklichen Nachrichten: Einsamkeit ist auf den ersten Blick schwer zu erkennen – oft müssen persönliche Beziehungen aufgebaut werden, bis junge Menschen von ihrer Einsamkeit berichten. Die guten Nachrichten: Jugendverbände machen schon sehr viel, um die Risikofaktoren für Einsamkeit zu bekämpfen. Sie setzen sich aktiv für Chancengleichheit und Teilhabe für alle jungen Menschen ein, unabhängig von ihrem Hintergrund.
Nach der umfassenden Standortbestimmung am Vormittag beschäftigten sich die Teilnehmenden am Nachmittag damit, Lösungsstrategien zu entwickeln.
Um den Teilnehmenden einige Tipps zur Begegnung von Einsamkeit aus der Praxis zu vermitteln, hat Moritz Jäger-Stabenow in einem Praxisinput den sozialen Gamer Treff „Core Gamer Treff“ vorgestellt. Dort wird das gemeinsame Gaming als Zugang genutzt, um soziale Kontakte und Gemeinschaftsbildung zu fördern. Das Angebot überzeugte die Teilnehmenden vor allem, weil es das Potenzial hat, die typische Zielgruppe für antidemokratische und rechtsextremistische Ansprachen abzugreifen und mittels sozialer Teilhabe aufzufangen.
Abschließend wurden vielfältige Inputs und Ideen des Tages in einer Strategiewerkstatt synthetisiert. In zwei Gruppen entwickelten die Teilnehmenden neue Handlungsempfehlungen und Ideen zur Bekämpfung von Einsamkeit, die sie in ihre Verbände zurücktragen konnten.
Eine Gruppe beschäftigte sich mit der Erreichung von einsamen jungen Menschen. Klar war direkt: Angebote explizit für einsame junge Menschen entfremden eher, als dass sie die Zielgruppe erreichen. Stattdessen sollten Angebote geschaffen werden, die junge Menschen in der Breite ansprechen. Dafür ist es in der Perspektive der Teilnehmenden besonders wichtig, junge Menschen selbst zu fragen, welche Angebote sie sich wünschen. Auch die Aktivierung von neuen, lokalen Kooperationspartnern wie Offene Treffs oder Stufen-Accounts auf sozialen Medien kann helfen, um junge Menschen flächendeckender zu erreichen.
In der zweiten Gruppe wurden vor allem die Strukturen der Jugendverbände kritisch reflektiert. Um einsame junge Menschen besser einzubinden ist es aus der Perspektive der Teilnehmenden wichtig, dass sie in den Verbandsstrukturen partizipieren und Verantwortung übernehmen können. Deswegen sollte darauf geachtet werden, wie und wie lange Vorstände besetzt werden. Auch die sukzessive Verantwortungsübergabe an neue und junge Mitglieder könnte eine Rolle spielen, um sie langfristig einzubinden.
Die Gruppe hat aber auch den politischen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle zugeschrieben. Jugendverbände sind Orte, an denen einsame junge Menschen schon aufgefangen und eingebunden werden. Die wichtige gesellschaftliche Arbeit, die Jugendverbände – oft ehrenamtlich – leisten, muss wertgeschätzt werden. Dazu gehört vor allem auch, die Orte und Angebote, die es für junge Menschen gibt, zu verteidigen und auszubauen, statt zu kürzen.
Die Workshopreihe „Action for Democracy: Neue Strategien für unsere Werkstätten der Demokratie“ läuft bis 2028 mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen. Meldet euch für unseren Newsletter an und folgt uns auf Instagram, um über neue Termine informiert zu werden.