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Antisemitismus zum Thema gemacht

100 Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendarbeit diskutierten den Umgang mit Antisemitismus – und wie schwer es ist, das Bewusstsein für die Brisanz des Themas zu schärfen

„Was geht mich das an? Die Schwierigkeit Antisemitismus zu thematisieren“ – unter diesem Titel hat der Landesjugendring NRW in einer breiten Kooperation zur Diskussion eingeladen und sichtbar gemacht, wie aktuell Hass auf jüdische Menschen 2018 ist. Bei der breit aufgestellten Kooperationsveranstaltung gab es viel Raum für den Austausch zwischen den Expert_innen aus der Kinder- und Jugendarbeit.

Im Jahr 2017 stellte die Polizei in Deutschland insgesamt 1.453 antisemitische Delikte fest, das sind etwa so viele wie 2016 und mehr als im Jahr 2015. Jüngst brannten im Dezember 2017 auch in Deutschland Israelflaggen, nachdem US-Präsident Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte – 33 Verfahren wurden eingeleitet. Angriffe auf jüdische Menschen und Einrichtungen sind also keinesfalls Phänomene, die mit den Schrecken der NS-Zeit verschwunden sind.

„Wir wollen heute zeigen: Antisemitismus besteht in Deutschland auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fort und beeinflusst Kinder und Jugendliche. Es muss einen Perspektivwechsel geben, der auch in den Schulen NRWs ankommt: In den Lehrbüchern kommt Antisemitismus als abgeschlossenes Kapitel der Geschichte vor - nicht als aktuelles gesellschaftliches Problem“, kritisiert Juliane Schulz, stellvertretende Vorsitzende des Landesjugendrings NRW.
Prof. Dr. Astrid Messerschmidt, Professorin für Erziehungswissenschaft, leitete die Veranstaltung als Gastrednerin ein und nahm die verschiedenen Akteur_innen der Kinder- und Jugendarbeit in die Pflicht: „Antisemitismus geht alle an! Das Wissen über Antisemitismus gehört zur Allgemeinbildung und zum Verstehen der Gesellschaft.“

In vier Workshops thematisierten die 100 anwesenden Fachkräfte außerdem die Schwierigkeiten, Antisemitismus in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen anzusprechen. Als besonders problematisch wurde eingestuft, Jugendliche für Inhalte in den sozialen Medien zu sensibilisieren – hier seien antisemitische Inhalte nicht auf den ersten Blick zu erkennen. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die sich selbst antisemitisch äußern, sei wichtig nachzuforschen, welche Vorurteile und tiefer liegenden Ängste hinter diesen Äußerungen stünden, um diese gemeinsam abzubauen.

Der Fachtag war eine gemeinsame Veranstaltung des Landesjugendrings NRW, der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW (AJS NRW), des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit in NRW (IDA NRW) und des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).